Aktuelles

Im Jahre 1961 rief der aus Dülmen stammende Missionar Friedrich Kaiser (1903-1993) im fernen Peru die Gemeinschaft der »Missionsschwestern vom lehrenden und sühnenden Heiland« ins Leben. Aus ihren Reihen wurde seit längerem der Wunsch geäußert, das Wirken dieses Glaubenszeugen in besonderer Weise zu würdigen und das Seligsprechungsverfahren für Friedrich Kaiser in die Wege zu leiten. 

Missionar? Glaubenszeuge? Seligsprechung? 

Wir werden vielleicht irritiert durch derartige Begriffe. Zu sehr haben wir uns als Kirche eingerichtet in den Rückzug, in das ängstliche oder missmutige Verharren. 

Die Auseinandersetzung mit Friedrich Kaiser kann uns zu einer neuen Begeisterung verhelfen – also zu einer Offenheit für jenen Geist, der am Pfingsttag verrammelte Türen sprengt und die kleine verängstigte Jüngergemeinde in die Vielfalt und Weite der Sprachen und Nationen hineinführt.

 

     Markus Trautmann
     Pfarrdechant an St. Viktor in Dülmen

In die Weite – in die Tiefe

Beitrag vom 4. Januar 2026

Zwei Dülmener Glaubenszeugen im Vergleich

Gastbeitrag von Peter Wittkampf, Telgte

AKE BFKAnna Katarina Emmerick und Friedrich Kaiser – das sind zwei Glaubenszeugen, die auf den ersten Blick völlig gegensätzlich erscheinen und die unterschiedlicher nicht sein können. Da ist die leidende Mystikerin, die in „engen“ Verhältnissen lebte, fast nie über Flamschen und Dülmen hinauskam und mehrere Jahre sogar ans Bett „gefesselt“ war. Und da ist der Missionar, der vom Münsterland aus nach Peru hinausfuhr, ans „Ende der Welt“, um dort all jene Menschen aufzusuchen, die einen Priester, einen Missionar, einen Bischof brauchten.

Zurückgezogen oder weltzugewandt, betrachtend oder agierend: Gibt es da nur Konträres, oder kann man bei den beiden Glaubenszeugen auch Gemeinsamens, Verbindenden erkennen?

Eine Verbindung stellt vielleicht die Aufforderung Jesu her, die er an Petrus richtet, als er ihn bittet, auf den See hinauszufahren – und ihm sagt: „Duc in altum!“ (Lk 5,4) „Fahr hinaus, wo es tief ist!“

„In altum“. Das lateinische Wort „altus“ hat mehrere, teilweise gegensätzlich erscheinende Bedeutungen. Als Substantiv kann es u.a. bedeuten: „Höhe“, „Himmel“, „Tiefe“, „innere Tiefe“, „Inneres“, „Grund“ oder „Ferne“. Die entsprechende Vokabel im Griechischen lautet „báthos“. Auch hier gibt es die Bedeutungen „Tiefe“, „Höhe“, „Weite“ und „Fülle“.

Der Horizont dessen, was „man“ in seinem Leben so als „Grenzen des Erfahrbaren“ und als das „Normale“ ansieht, werden in jedem Falle überschritten, der Horizont wird weiter gesteckt, die Enge des „denkbar“ Erscheinenden in ganz andere Dimensionen gerückt. 

Und das Wort „Duc“? Lateinisch „ducere“ kann ebenfalls sehr viele verschiedene Bedeutungen haben: „ziehen“, „schaffen“, „an sich ziehen“, „locken“, „reizen“, „führen“, „leiten“, „treiben“, „bewegen“, „anführen“, „glauben“ oder „in Betracht ziehen“. 

Vor dem Hintergrund der Lebensverläufe sowohl der Anna Katharina Emmerick als auch des Friedrich Kaiser würde sich beinahe bei jeder möglichen Wortbedeutung von „ducere“ und von „altus“ eine eigene Betrachtung lohnen.

Beide Glaubenszeugen, so kann man es wohl in aller Kürze sagen, haben andere Menschen durch ihr Leben in neue, kaum, noch nicht oder nicht mehr für möglich gehaltene Dimensionen geführt, sie an neue Horizonte gebracht, sie ein Leben „mit Tiefgang“ erreichen lassen. Und das, weil sie selbst diesen „Tiefgang“, diese „Horizontverschiebung“ erreichen durften, die ihnen von Gott geschenkt war und in die Gott sie berufen hatte.

Der heilige Papst Johannes Paul II. stellte das Heilige Jahr 2000 unter das Motto „Duc in altum!“  Und vor genau 25 Jahren, am 6. Januar 2001, veröffentlichte er sein Apostolisches Schreiben „Novo Millennio ineunte“ als Rückblick auf das Heilige Jahr und Ausblick in die Zukunft. Eine Stelle hieraus könnte durchaus auch auf Anna Katharina Emmerick und Friedrich Kaiser bezogen sein, für die man Gott nur zutiefst dankbar sein kann:

„Wer vermag die Gnadenwunder zu ermessen, die sich in den Herzen ereignet haben? Es ist der Mühe wert, zu schweigen und anzubeten, indem man demütig auf das geheimnisvolle Wirken Gottes vertraut und seine grenzenlose Liebe besingt: ‚Misericordias Domini in aeternum cantabo!‘“. (Nr. 2) Und an anderer Stelle heißt es dort: „(…) Die Wege der Heiligkeit sind vielfältig, und der Berufung eines jeden angepasst. (…) Es ist jetzt an der Zeit, allen mit Überzeugungskraft diesen ‚hohen Maßstab‘ des gewöhnlichen christlichen Lebens neu vor Augen zu stellen.“ (Nr. 27) Am Schluss heißt es: „(…) Wer Christus wirklich begegnet ist, kann ihn nicht für sich behalten, er muss ihn verkündigen.“

 

Der Autor: Peter Wittkampf, pensionierter Studiendirektor (Deutsch und Erdkunde), Verfasser zahlreicher Veröffentlichungen zu landeskundlichen, geographischen und spirituellen Themen, seit 2015 Träger des „LWL-Förderpreises für westfälische Landeskunde“. Er betrachtet die Vertrautheit mit kulturellen Traditionen und mit dem heimatlichen Nahraum als eine Grundlage für das menschliche Miteinander in der globalisierten Welt.

Weihnachtsgruß aus Peru

Die Sandalen der peruanischen Kinder

Weihnachten 2025

IMG 6880Zwei besondere Sandalen aus den Anden begleiteten in diesem Jahr die Weihnachtspredigt >>>  in verschiedenen Kirchen der Dülmener Pfarrei St. Viktor: Schwester Inmaculata und Schwester Maura hatten bei ihrem Besuch in Dülmen im Oktober 2025 zwei Sandalen mitgebracht, die aus alten Autoreifen gefertigt wurden. Solche Autoreifen-Sandalen der Ärmsten, so Pfarrer Markus Trautmann, stünden symbolisch im Widerspruch zum Soldaten-Stiefel, der dröhnend daher stampft, wie es der Prophet Jesaja in der 1. Lesung der Heiligen Nacht beklagt. (vgl. Jes 9,4)

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit …!“

Info vom 7. Dezember 2025

Rundbrief 255 AuszugDie Adventszeit bietet eine besondere Gelegenheit, sich zu vergewissern, welche Prioritäten ich in meinem Leben setze: wem ich mein Herz öffne – und wo ich „dichtmache“.

Papst Leo XIV. erinnert in seinem Schreiben „Dilexi te“ vom 4. Oktober 2025 an die Verantwortung der Gläubigen gegenüber den Armen und Bedürftigen.

Die Weihnachtsausgabe vom „Ruf aus den Anden“ >>> geht auf diesen Appell näher ein.

Nun auch ein deutscher Bischof beteiligt

Info vom 7. Dezember 2025

Papst beruft Kardinal Woelki in wichtige Vatikanbehörde

 

Woelki Erzbischof von KolnIm vatikanischen „Dikasterium für Selig- und Heiligsprechungen“ wird künftig auch der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki mitarbeiten. Papst Leo XIV. berief am 6. Dezember insgesamt sieben neue Mitglieder in jene zentrale Behörde der Römischen Kurie, die für die Durchführung und Überwachung der Selig- und Heiligsprechungsprozesse zuständig ist. Auch die angestrebte Kanonisierung von Friedrich Kaiser wird hier verhandelt. Die Mitglieder eines Dikasteriums versammeln sich in regelmäßigen Abständen in Rom, um anstehende Fragen zu erörtern und verbindliche Entscheidungen zu treffen. Dem Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungen gehören neben einem festen Arbeitsstab derzeit 43 Bischöfe, unter denen Kardinal Woelki der einzige Deutsche ist. Die Hauptaufgaben dieses Dikasteriums umfassen die Vorbereitung, also die Prüfung der Dokumentation und Beweise (zum Beispiel der heroische Tugendgrad oder das Martyrium) von Kandidaten auf Diözesanebene. Es geht auch um die Untersuchung, d.h. sorgfältige Prüfung der gesammelten Akten (Positio) durch historische Experten und Theologen. Dann geht es um die Wunderprüfung, also wird bei Bedarf die wissenschaftliche und theologische Untersuchung der dem Kandidaten zugeschriebenen Heilungswunder untersucht. Und schließlich die Entscheidung: Die Vorlage der Ergebnisse gehen an den Papst, der die endgültige Entscheidung über die Selig- oder Heiligsprechung trifft.

Foto: wikipedia.org #Reiner Diart, CC BY-SA 4.0 

„Nicht persönliche Projekte, sondern Hingabe an den Herrn“

Info vom 7. Dezember 2025

Papst würdigt peruanische Märtyrer

 

MaertyrerAnlässlich des 10. Jahrestages der Seligsprechung der Märtyrer von Chimbote (7.12.2015) hat Papst Leo XIV. eine Botschaft an die Kirche in Peru, Polen und Italien veröffentlicht. Die drei seliggesprochenen Priester – P. Michał Tomaszek, P. Zbigniew Strzałkowski (beide polnische Franziskaner) sowie P. Alessandro Dordi (italienischer Diözesanpriester) – wurden 1991 ermordet, weil sie sich entschieden hatten, inmitten ihrer Gemeinden in Armut und Gewalt zu bleiben.

SeligsprechungPapst Leo betonte, dass das Leben dieser drei Missionare, trotz ihrer unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Stile, die essentielle Botschaft des Christentums zeige: „Die Gemeinschaft, die entsteht, wenn so unterschiedliche Geschichten sich von Christus und in Christus zusammenführen lassen.“Darin sieht Leo einen entscheidenden Appell für die heutige Kirche: Die Verschiedenheit der drei Priester sei in Peru nicht zur Distanz, sondern zu einem gemeinsamen Zeugnis geworden. Ferner erklärte der Papst, dass die wahre Einheit nicht in der völligen Übereinstimmung der Meinungen liege, sondern in der Entscheidung, „unsere Meinung derjenigen Christi anzugleichen“. Das Blut der Märtyrer sei nicht für persönliche Projekte oder Ideen vergossen worden, sondern als „einzigartige Hingabe der Liebe an den Herrn und sein Volk“.

Peruanische Schwestern am Grab von Karl Kaiser

Info vom 6. November 2025

vor dem Drachenfels in Königswinter Am Grab von Karl und Adele Kaiser Begegnung auf dem Friedhof in Unkel

 

Ihren Aufenthalt bei den Sacre-Coeur-Schwestern in Bonn-Beuel nutzten Schwester Inmaculata und Schwester Maura am 5. November zu einem besonderen Ausflug: Im nahegelegenen Unkel besuchten sie das Grab von Karl und Adele Kaiser, dem Bruder und der Schwägerin von Friedrich Kaiser. In dem Buch „Sieben Blüten. Ein Baum.“ wird der jüngste Bruder Friedrich Kaisers auf den Seiten 93-101 >>> eingehend gewürdigt.

Papst würdigt „Misioneras“

Info vom 25. Oktober 2025

In einer Begegnung mit Synodalen Teams aus der ganzen Welt am 24. Oktober in der Audienzhalle im Vatikan hat Papst Leo XIV. auch über die Rolle der Frauen und kulturelle Barrieren in der Kirche gesprochen. „Es gibt so viele Gaben, die Frauen in das Leben der Familie und der Pfarrei einbringen“, betonte der Heilige Vater. In diesem Zusammenhang würdigte Leo das Wirken der „Misioneras de Jesus Verbo y Victima“ (ohne deren Namen zu nennen). „Ich möchte eine Erfahrung aus Peru nennen. Dort gibt es einen Frauenorden, dessen Berufung es ist, dort zu arbeiten, wo es keine Priester gibt.“ Diese Frauen „machen eine wunderbare pastorale Arbeit“. Es sei „ein großartiges Zeugnis“, dass sie mutig missionarische Aufgaben inklusive Taufen und Trauungen übernehmen. „Ich habe oft zu den Priestern gesagt: Das ist ein wahrer Motor, das Evangelium zu verkünden“, so der Papst.

In der Videoaufzeichnung von „Vatican News“ lässt sich diese Passage an der Stelle 1:20:00 finden.

 

Kartoffeln aus den Anden zum Erntedank

Info vom 5. Oktober 2025

image003Passend zum Erntedankfest haben Schwester Maura und Schwester Inmaculata aus Peru Kartoffeln nach Dülmen mitgebracht – die auf eigentümliche Weise haltbar gemacht wurden. „In den Höhenlagen der Anden gibt es keine Elektrizität, zugleich ist es so kalt, dass Kartoffeln sehr schnell in der Erde erfrieren“, erläutert Schwester Inmaculata.  Daher werden die geernteten Kartoffeln in Textilsäcken tagelang in das kalte Wasser eines Gebirgsbaches getaucht, wodurch Gähr- und Säurestoffe ausgewaschen werden. Dann werden die so behandelten Kartoffeln getrocknet; sie sind schließlich leicht wie Kastanien. Zum Kochen werden sie dann ins heiße Wasser gegeben. „Leider verschwinden auf diese Weise auch die Vitamine“, so Schwester Maura, „aber die Kartoffeln können nicht verfaulen und lange Zeit gelagert werden.“

Im Erntedankgottesdienst am 5. Oktober in St. Viktor in Dülmen konnten große und kleine Gottesdienstbesucher (darunter der Kinderchor St. Viktor) die Kartoffeln in Augenschein nehmen. „Wenn wir uns bewusst machen, mit wieviel Aufwand in anderen Teilen der Welt Lebensmittel erzeugt und verarbeitet werden“, so Pfarrer Markus Trautmann in der Predigt, „dann dürfen wir umso dankbarer sein darüber, dass wir hier mit allem versorgt werden und unsere Kühlschränke meistens gut gefüllt sind.“

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Goldenes Jubiläum: 50 Jahre „Bischof-Kaiser-Straße“

Info vom 4. Oktober 2025

50J BFK StrasseEinen besonderen „Hingucker“ erwartete die Besucher des diesjährigen Dülmener Bürgerfestes am 3. Oktober: Am Verkaufs- und Informationsstand der „Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland“ erinnerten die Veranstalter daran, dass es seit 50 Jahren eine „Bischof-Kaiser-Straße“ in Dülmen gibt. Im Herbst 1975 wurden im Zuge der kommunalen Neuordnung etliche Straßen in Dülmen und den Ortschaften umbenannt, um künftig in der erweiterten Kommune Doppelungen zu vermeiden. So gab es bis dahin sowohl in Buldern als auch in Dülmen eine „Friedensstraße“. Nachdem die Stadtverwaltung die Bürgerschaft um Namensvorschläge gebeten hatte, erfolgte nach Beratungen im Hauptausschuss am 27. November >>> dann mit Ratsbeschluss vom 4. Dezember 1975 >>> die Umbenennung der Dülmener „Friedensstraße“ in „Bischof-Kaiser-Straße“.

 



„Neue Heilige“: 

Spannende Internetplattformen

 

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Das Seligsprechungsverfahren für Bischof Friedrich Kaiser ist eines von vielen, die momentan weltweit für zahllose Glaubenszeugen verschiedenster Epochen durchgeführt werden. Die „Gemeinschaft der Heiligen“, zu der ja jeder Christ berufen ist, bekommt so einen eindrucksvollen und vielfältigen Ausdruck.Das vatikanische Dikasterium für Selig- und Heiligsprechungen informiert aufeiner eigenen Website >>> über aktuelle Verfahren.



HC

Auch die Internetplattform „New Saints“ >>> dokumentiert akribisch den jeweils momentanen Verlaufsstand der Kanonisierungsverfahren sowie frühere Verfahren.
Hingewiesen sei auf die Suchmaschine dieser Website sowie die vorhandene Übersetzungsfunktion.
Viel Freude beim Stöbern!