Aus dem Ruf der Anden entstand eine Gemeinschaft
Als Bischof Friedrich Kaiser 1957 die Leitung der Prälatur Caravelí in Peru übernahm, stand er vor einer großen Aufgabe. Das Gebiet war weitläufig und gebirgig, und es gab nur wenige Priester für die verstreut lebenden Gemeinden. In vielen Dörfern fehlte den Menschen die Möglichkeit, regelmäßig Gottesdienste zu feiern oder die Sakramente zu empfangen.
Besonders bewegte Bischof Kaiser die Klage einer Frau, die ihm erzählte, dass die Menschen in ihrer Heimat ohne Priester lebten: Ihre Kinder würden nicht getauft, sie könnten nicht beichten oder die Kommunion empfangen, und selbst am Lebensende fehlte ihnen oft die Begleitung durch die Sakramente. Bischof Kaiser sprach später vom „Ruf der Anden“ – einem Ruf, den er nicht vergessen konnte.
Aus dieser Not entstand die Idee, eine Gemeinschaft von Ordensschwestern zu gründen, die dauerhaft in den abgelegenen Regionen leben und arbeiten sollte. Für dieses Vorhaben gewann er Schwester Willibrordis Bonefeld, die aus Paderborn stammte und bereits als Missionsschwester in Peru tätig war. Sie wurde Mitgründerin und erste Generaloberin der Gemeinschaft.
Am 22. Juni 1961 gründeten Bischof Friedrich Kaiser und Schwester Willibrordis in Caravelí die Gemeinschaft der Missionarinnen vom lehrenden und sühnenden Heiland (MJVV). Ihr Auftrag war von Anfang an klar: besonders dort zu wirken, wo Menschen arm und abgelegen leben und kaum seelsorgliche Betreuung erhalten.
Am 25. März 1971 wurde die Gemeinschaft zur Diözesankongregation erhoben. 1979 entstanden die ersten Missionszentren außerhalb Perus, in Argentinien und Bolivien. Am 14. September 1982 erhob Papst Johannes Paul II. die Gemeinschaft zur Kongregation päpstlichen Rechts.
Die Gründungsgeschichte erzählt von einer Antwort auf die Not der Menschen: Die Schwestern sollten nicht nur gelegentlich zu Besuch kommen, sondern bei den Menschen leben, sie im Glauben begleiten und ihren Alltag mit ihnen teilen.