Heiligsprechung vor 350 Jahren
Info vom 18. August 2026
Der liturgische Gedenktag der hl. Rosa von Lima ist jedes Jahr am 23. August – doch in diesem Jahr ist es 350 Jahre her, dass Papst Clemens X. im Jahre 1671 die Heiligsprechung von Rosa von Lima verkündete. Die Bedeutung dieser bemerkenswerten Frau ist nur vor dem geschichtlichen Hintergrund ihres Lebens zu würdigen. „Ein Goldrausch hatte die Männer befallen, die Peru eroberten, und trieb sie zu unerhörten Teufeleien“, so formulierte in den 1930er Jahren Hans Hümmeler in dem volkstümlichen Buch „Helden und Heiligen“, das im ganzen deutschsprachigen Raum vor und nach dem Zweiten Weltkrieg eine weite Verbreitung fand. „Vergebens bemühten sich die spanischen Priester, die Ausschreitungen des spanischen Kriegsvolkes zu bannen. Unter ihren Augen wurde die Urbevölkerung des Landes versklavt, geschändet und ermordet. Mit bluttriefendem Schwert aber kann man nicht dem milden Gottessohn den Weg bereiten. Während in den Hafenstädten prachtvolle christliche Kirchen emporwuchsen, flohen die verängstigten Indios in die Kordilleren und wichen den Glaubensboten aus, weil diese die gleiche Sprache redeten wie ihre Unterdrücker.“ In dieser von Habgier und Rücksichtslosigkeit durchzogenen Zeit begegnet uns die provozierende Gestalt der hl. Rosa von Lima (1586-1617). „Aus demselben Volk, das ein solches Maß von Blutschuld auf sich geladen hatte, sollte ein Mensch hervorgehen, der aus Mitgefühl ein Zeichen der Liebe und der Buße zu setzen bereit war angesichts der Beleidigungen, die Menschen durch ihr menschenverachtendes Verhalten Gott selbst zugefügt haben. Ein schwaches Mädchen bot sich zu diesem Sühnopfer an, Rosa von Lima, geboren von armen Eltern und erwählt vom Heiligen Geist zu einem Wunder der Gnade.“ Rosa von Lima hieß mit bürgerlichem Namen Isabel Flores de Oliva; ihre Eltern waren beide spanischer Abstammung. Schon als Kind hatte sie den Wunsch, ein gottgeweihtes Leben zu führen. Sie trat mit zwanzig Jahren dem Dritten Orden der Dominikaner bei und trug seitdem den Ordensnamen Rosa a Santa Maria. Als geweihte Jungfrau lebte sie fortan in einer Hütte in der Nähe des Hauses ihrer Eltern, wo sie ein Leben der Buße führte. Die Biografie der heiligen Rosa weist Ähnlichkeiten zur Dülmenerin Anna Katharina Emmerick auf. Noch einmal Hümmeler: „Rein und schön schwebt ihre Gestalt über der trüben Schlammflut von Habgier und Wollust, die Lima verpestete. Nur wenige Menschen wussten von ihrem Opferleben; denn sie floh das Gerede der Leute und ging nur verschleiert den Kirchweg. Zehn Stunden am Tag half sie als Näherin und Stickerin das Brot für ihre zehn Geschwister verdienen, weitere zehn Stunden täglich weilte sei in ihrer ‚Gartenzelle‘, einer selbst gezimmerten Bretterhütte, und redete mit Gott und Heiligen, die sie in vielen Visionen schaute. … Lange Zeit wurde ihr Sühneleiden von den eigenen Eltern missverstanden und als Schwärmerei gedeutet, zumal sie alle Heiratspläne standhaft ablehnte. Willig duldete sie von ihrer Mutter dafür Spott und Schläge; den Frieden und die Fröhlichkeit des Herzens konnte ihr nichts rauben.“
Die nachstehenden Fotos zeigen das Schädelreliquiar der hl. Rosa in der Kirche Santo Domingo in Lima sowie die Wohnzelle und figürliche Darstellungen der Heiligen rund um die Rosa-Gedenkstätte an ihrem Elternhaus.
