„Kein Algorithmus kann eine echte Begegnung ersetzen“
Beitrag vom 28. januar 2026
Eine Bildbetrachtung von Peter Wittkampf über Bischof Kaiser
Zwei Menschen begegnen sich: Bischof Friedrich Kaiser und ein Indio in Peru. Sichtlich hoch erfreut über diese Begegnung, reichen sie einander die Hände.
Und zwei frohe, ja sogar strahlende Blicke treffen und begegnen sich.
Da braucht es nicht viel Worte: Die Blicke, die Gesten sprechen für sich! Sie sagen mehr, als Worte es könnten. Und das, was die Blicke „sagen“, kommt bei beiden „aus dem Herzen“, das merkt man sehr deutlich.
Der berühmte Dichter Joseph Freiherr von Eichendorff (1788 – 1857) hat ein Gedicht geschrieben mit dem Titel „Der Blick“. Die ersten vier Zeilen lauten:
Schaust du mich aus deinen Augen
lächelnd wie aus Himmeln an,
fühl ich wohl, dass keine Lippe
solche Sprache führen kann.
Die Gesten und Blicke beider Personen auf dem Foto „sprechen“ von Freude, Zugewandtheit, Freundschaft, Herzlichkeit. Und das alles kommt offenbar nicht aus einem spontanen, vielleicht flüchtigen Gefühl der Sympathie heraus, sondern da steckt wohl mehr dahinter!
Bei Eichendorff lautet die Zeile, die später den zweiten Gedichtteil einleitet, folgendermaßen:
Und ich seh´ des Himmels Quelle.
„Des Himmels Quelle“: Für jemanden, der an Christus glaubt und sich ihm verbunden weiß, ist klar, dass eine solche Herzlichkeit wie z.B. die zwischen dem Bischof aus Deutschland und dem Indio aus dem kargen Hinterland Perus nicht „einfach so“ entsteht, sondern ein Geschenk Christi ist.
Papst Leo XIV., der ja selbst viele Jahre in Peru als Missionar gelebt hat, feierte die Sonntagsmesse am 13. Juli 2025 in Castel Gandolfo. Mehrere Stellen seiner Predigt erscheinen fast wie eine Interpretation der Szene, die unser Foto zeigt. Es ging dem Papst dabei wesentlich um das „Sehen mit den Augen des Herzens“.
Bei einigen Passagen dieser Predigt könnte man unwillkürlich an Bischof Friedrich Kaiser denken, der auf dem Foto dem Indio voller Empathie (auf „Herzenshöhe“!) die rechte Hand umfasst und ihm die linke freundschaftlich auf die Schulter legt: Der Papst betonte nämlich, dass es Folgen haben müsse, wenn man zu Christus gehört: „einen Blick, der sieht und nicht vorüberschweift, zwei Hände, die helfen (…), starke Schultern, die die Last der Bedürftigen tragen“. Und speziell „der Blick macht den Unterschied, denn er drückt aus, was in unserem Herzen ist.“
Aber selbst wenn man keine „starken Schultern“ hätte: „Kein Algorithmus kann eine Umarmung, einen Blick oder eine echte Begegnung ersetzen.“ (Papst Leo XIV. am 5. August 2025 in einer Pilgerbotschaft)
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